Mowitz |
Emmely suchte also Gerechtigkeit vor deutschen Gerichten. Und das kann dauern. Im Juni 2010, zwei Jahre nachdem die fristlose Kündigung wirksam geworden war, und nach zwei Verurteilungen in untergeordneten Instanzen der deutschen Justiz, erstritt sie schließlich vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt ihr Recht. Die Kündigung wurde aufgehoben und "Kaiser's" musste sie wieder einstellen. Wie Emmely die zwei Jahre zwischen Kündigung und Wiedereinstellung ökonomisch überbrückte, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wird nicht leicht gewesen sein. Von der psychischen Belastung heute seinen Arbeitsplatz zu verlieren ohne reale Aussichten einen neuen zu finden, von dem man auch leben kann, könnten allein innerhalb der BRD Millionen Menschen ihre eigenen Hartz-IV-Geschichten als Folge uneingelöster "Verheißungen des Kapitalismus" erzählen.
Was Emmely widerfuhr entspricht einem typischen Verhalten deutscher Arbeitgeber und die Ursachen liegen im schwachen gewerkschaftlichen Organisationsgrad deutscher Arbeitnehmer begründet. So ging es schon in der vielgerühmten Zeit der, Donnerlittchen auch, sogenannten "Sozialen Marktwirtschaft" Ludwig Erhard's zu. Wer nicht parierte flog. Und das umgehend. Der Unterschied zu heute war nur, dass es leichter war einen neuen Job zu finden, von dem man, im Gegensatz zu heute, leben konnte.
Barbara Emme starb früh, zu früh. Eine mutige Frau aus dem wahren Leben, die für ihr eigenes und das Recht ihrer Kollegen einstand. Solche Menschen tun einer Gesellschaft richtig gut. Warum haben wir nicht mehr von ihnen?
FH
Zum Thema:
Ein Fall von Klassenjustiz
Zum Berliner Urteil gegen die Kassiererin Emmely
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de |